Die „hässlichen Fratzen“ liegen ebenso oft richtig wie das „Pack“

Mitunter ist das spannend und erschreckend zugleich, alte Berichte mit Einschätzungen zu lesen. So eben auch ein kritischer Bericht über den einstigen ägyptischen Staatspräsidenten Mursi, von dem die Massenmedien voller Bewunderung sprachen. Während die etablierte Medienwelt über die demokratische Öffnung des „Jasmin Frühlings“ in den islamischen Staaten jubilierte, warnten wir kritischen Blogger vor den wahren Zielen einer Muslimbruderschaft.

Nun, Mursi ist Geschichte, am 15. Mai 2015 wurde er zum Tode verurteilt. So „hässlich sind die Fratzen in Deutschland“ also gar nicht. Und sie gehören auch nicht zum Pack, so wie es der derzeitige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel so plakativ behauptete. Wir sehen das Weltgeschehen nur eben nicht so ideologisch verblendet und für uns ist Journalismus noch immer die Suche nach der Wahrheit und die Dokumentation derselben.

Der nachfolgende Bericht wurde bereits am 24. Juni 2012 veröffentlicht, und die Historie der in der Folge nach Mursis Wahl erfolgten Ereignisse ist für uns der Ritterschlag, weil wir die Lage wohl tatsächlich richtig eingeschätzt haben, und obwohl das ob der zahllosen Opfer keinerlei Bedeutung hat. Lieber hätten wir kritischen Blogger uns nämlich getäuscht.

Mit Mohammed Mursi kommt ein radikaler Muslimbruder an die Macht

Mit dem Sieg bei der Stichwahl in Ägypten kommt ein ausgewiesener Islamist an die Macht, machen wir uns nichts vor. Der „Arabische Frühling“, die „Jasmin Revolution“ besitzt nicht den Hauch jener Romantik, die manche deutsche Politiker und Journalisten immer so gern sehen wollen. Die Muslimbruderschaft zählt mit den Salafisten zu den radikalsten Islamisten und wo sie Macht erringen, werden Andersgläubige regelrecht geschlachtet. Es tut mir leid, derart harte Worte dafür zu benutzen. Sie treffen aber das Schwarze in der Mitte.

Leider hat die Tagesschau den Jubelartikel zu Mursis Wahl wohl aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht…

Die Kopten in Ägypten sind die größte und bedrohteste Minderheit und entsprechend groß ist ihre Angst. Die wird sogar öffentlich publiziert, nur eben von den meisten Leitmedien ignoriert:

Quelle: Kopten ohne Grenzen

Nach wie vor wird im Westen von den meisten Medien ein überwiegend falsches Bild von den Ereignissen rund um den so genannten “arabischen Frühling” gezeichnet. So meldete sich jüngst beispielsweise Bundesaußenminister Guido Westerwelle in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu Wort und forderte darin, der Westen müsse den Wandel in der arabischen Welt als Chance begreifen. Tatsächlich könnte sich die Entwicklung schon sehr bald als höchst bedrohlich erweisen, denn nicht freiheitlich-demokratische Kräfte übernehmen in den Staaten Nordafrikas die Macht, sondern Islamisten.

Ein völlig weltfremdes, unrealistisches Bild: Besonders beängstigend ist dies angesichts der Tatsache, dass der Wahhabismus unter den verschiedenen islamischen Strömungen wohl zu den Freiheits- und Menschenfeindlichsten Varianten zählt: er folgt strikt der Scharia, Männer und Frauen sind rechtlich nicht gleichgestellt, Muslime gelten gegenüber „Ungläubigen“ als priviligiert. Damit ähnelt die gesellschaftliche Umsetzung des Wahhabismus auf erschreckende Weise dem deutschen Nationalsozialismus. Umso unverständlicher also, dass in westlichen und insbesondere in deutschen Medien nach wie vor überwiegend ein völlig weltfremdes, unrealistisches Bild von den Vorgängen im Norden Afrikas gezeichnet wird. Sehr wahrscheinlich spielen allerdings auch in diesem Zusammenhang das große Vermögen Katars und seine mediale wie politische Macht eine entscheidende Rolle.

Vielmehr erfreuen sich sogar manche Kommentatoren wie Zeit-Redakteur Martin Gehlen am scheinbar moderaten Auftritt einiger Führungskräfte der fundamental-islamischen Bewegung. Und offenbar genügt schon der Kontrast zu den gänzlich radikalen Salafisten und deren “Partei des Lichts”, um die Bruderschaft hierzulande als “moderat-islamische Kraft” wahrzunehmen – eine Bezeichnung, die zunehmend häufiger für die Organisation verwendet wird. Zu recht? Könnten sich die Muslimbrüder nun angesichts ihrer Regierungsverantwortung etwa tatsächlich westlich-säkularen Werten öffnen? Oder ist das “Moderate” nur aus Kalkül inszeniert, da sie wissen, dass sie ohne ausländische Unterstützung die immensen wirtschaftlichen Probleme ihres Landes nicht werden lösen können? Droht gar mittelfristig ein islamischer Gottesstaat am Nil? Und was sind überhaupt die wesentlichen Ziele dieser größten muslimischen Organisation der Welt, die auch in Europa stetig ihren Einfluss ausbaut?

Vor einigen Monaten machte im Internet ein Film die Runde, der gerade angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen in Ägypten aktueller erscheint denn je. Es handelt sich um eine Reportage, die im größten privaten Fernsehsender Norwegens (TV2) ausgestrahlt wurde, und die spätestens jetzt in Deutschland zur besten Sendezeit dem Volk, vor allem aber Politikern und Medienvertretern gezeigt werden müsste. Der Film erzählt die Geschichte der Muslimbrüder, erklärt ihre politischen Ziele und beantwortet einige der eingangs gestellten Fragen – auf höchst unangenehme Art und Weise. Im Mittelpunkt der Dokumentation steht ein gebürtiger Iraker, der im norwegischen Exil lebt. Der Mann, dessen Name im ganzen Film nicht genannt wird, bekennt sich zum Islam als seiner Religion genauso wie zu den freiheitlich-demokratischen Werten des Westens. Letztere jedoch seien zunehmend bedroht. Schon in einigen Jahrzehnten könnten die Muslime in Europa die Macht übernehmen. Und das sei längst keine islamophobe Illusion, sondern das offenkundige Ziel islamistischer Organisationen, allen voran der Muslimbruderschaft.

Der Situation im Irak nicht unähnlich

Als das US-Militär gerade aus dem Irak wieder abgerückt war und dort ein Machtvakuum hinterlassen hat, war ich damit beschäftigt, gemeinsam mit Frau Spuler-Stegemann und einigen Journalistenkollegen ein Informationsportal über den türkischen Genozid an die armenische Bevölkerung 1915 aufzustellen und bildungstechnische Hilfslieferungen für die Christen im Irak zu initiieren. Ich sprach mit Menschen, mit Armeniern, die mir unglaubliche Dinge erzählten. Saddam Hussein war sicherlich ein Despot wie er im Buche steht. Nur eines konnte man ihm nie unterstellen. Andersgläubige und eben auch Christen konnten in einem Irak unter seiner Führung ein halbwegs anständiges Leben führen. Anders wurde es, als das US-Militär weg war. „Freundliche Islamisten“ klopften an die Türen beliebiger Häuser, forderten die Bewohner mit „reizendem“ Tonfall auf, binnen einer Stunde das Haus zu verlassen. Anderenfalls würden sie ihr Leben verlieren.

Die Berichte zu der Zeit in den Medien deckten sich mit meinen eigenen Erfahrungen. So schrieb seinerzeit die Zeit-Online:

Wenn wir von den Christen im Irak reden, müssen wir zuerst von Zahlen sprechen. Rund 1,5 Millionen waren es vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen im März 2003. Heute sind geschätzte 400.000 übrig. Hunderttausende flüchteten vor Gewalt und Verfolgung. Allein im Jahr 2005 kamen rund 800 irakische Christen durch gezielte Anschläge ums Leben. Im Oktober 2010 gab es das bislang letzte große Attentat: Islamistische Terroristen erstürmten die Kathedrale in Bagdad und töteten 68 Menschen. Massenmorde wie diese verbreiten Angst unter den Gläubigen. Hält der Trend zur Emigration an, könnte es bald keine Christen im Irak mehr geben.

Schulbusse mit Studenten auf dem Weg zur Uni wurden mit Bomben einfach gesprengt.

In Tunesien leiden Christen unter der Muslimbruderschaft 

In Tunesien sieht die Situation nach der Machtergreifung durch die Muslimbruderschaft nicht anders aus:

In der Fernsehsendung „Misr al-Yom“ („Ägypten heute“) präsentierte der als liberal geltende Talkmaster Tawfiq Okasha vor kurzem ein Video, in dem gezeigt wird, wie tunesische Moslems einem jungen Mannes den Kopf abschneiden. Sein Verbrechen: Abfall vom Glauben – er war zum Christentum konvertiert und weigerte sich, diese „Apostasie“ (Abfall vom Glauben) zu widerrufen.

Sicher lässt sich das alles als Übertreibung und Verschwörungstheorie abtun, um das eigene Gewissen zu beruhigen, oder weil es eben einfach nicht in ein ultralinkes Weltbild passen will. Allein das ändert aber nichts an den Ereignissen. Immerhin entdecken derzeit ja Medien und Sicherheitsbehörden in Deutschland auch gerade was es heißt, radikal-fanatischen Islamisten Tür und Tor zu öffnen:

BKA warnt vor Anschlägen radikaler Salafisten schon „bei geringem Anlass“

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