Armut in Deutschland, ein ganz anderes Thema…

Manche Menschen bringen es platt auf den Punkt und sind erfreulicherweise nicht einmal angreifbar dafür. Henryk M. Broder, Publizist und Buchautor, ist so ein Mensch. Er bringt in einem Artikel bei Welt-Online die Dinge sehr platt aber völlig korrekt auf den Punkt: Wer angesichts solcher Bilder kein Mitleid empfindet,
der hat kein Herz, wer aber nur Mitleid empfindet, von dem er sich mit einer Spende befreit, der hat keinen Verstand.

Abseits der zwischenzeitlich irrsinnigen, sinnfreien Flüchtlingshysterie versteckt sich in Deutschland eine Menge Armut. Nur ist die nicht auf den ersten Blick erkenntlich. Über Renter, die leere Flaschen sammeln müssen, Alleinerziehende, die sich verschämt zu den Tafeln begeben, und die, die zwischenzeitlich sogar aus Obdachlosenheimen vertrieben werden, damit dort Flüchtlinge untergebracht werden können, kann man leicht hinweg sehen.

Was man sich als halbwegs normaler, vernunftsbegabter Mensch wünscht?

Eine derartige Hilfsbereitschaft für die eigenen Armen, so wie sie im Zuge der Flüchtlingsversorgung derzeit immer kopfschüttelnder feststellen kann.

Ganz sicher; Henryk M. Broder steht über den Dingen. Publizist und Buchautor, der gerne den Finger in offene Wunden legt, steht er über den Dingen und vor allem über möglichen Vorwürfen, er sei Rassist, Nazi, Rechtsradikaler, oder schlicht Pack, so wie Sigmar Gabriel die Menschen nennt, die mit dem Wahnsinn der Flüchtlingsunterbringung täglich leben müssen. Und genau aus dem Blickwinkel hat er einen befreienden Artikel auf Welt-Online veröffentlicht mit dem Titel:

Wer nur Mitleid empfindet, hat keinen Verstand

Deutschland gibt sich gern weltoffen, tolerant und reich. Ein Tischleindeckdich. Doch unser Urteilsvermögen scheint vor Mitleid für Flüchtlinge getrübt zu sein. Dabei müsste jetzt Vernunft herrschen. Angesichts der jüngsten Prognosen des Innenministers, der mit 800.000 Antragstellern in diesem Jahr rechnet, klingen die Zusicherungen, wir wären „gefordert, aber nicht überfordert“, zunehmend hohl.

Was wir derzeit importieren, sind nicht nur „ethnische“, also kulturelle und religiöse Konflikte, sondern, um mit Marx zu reden, auch eine „industrielle Reservearmee“, für die es keine Beschäftigung gibt und keine geben wird, das Lumpenproletariat von morgen und übermorgen.

Wer angesichts solcher Bilder kein Mitleid empfindet,
der hat kein Herz,
wer aber nur Mitleid empfindet,
von dem er sich mit einer Spende befreit, der hat keinen Verstand.

Man sollte wissen,
dass die Betreuung eines minderjährigen Zuwanderers 60.000 Euro pro Jahr kostet,
das ist mehr, als ein Facharbeiter im Jahr verdient.

Der gesamte Artikel steht zur Verfügung unter:
Unser Urteilsvermögen scheint vor Mitleid für Flüchtlinge getrübt zu sein

Wirkliche Armut in Deutschland

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat seinen Armutsbericht erst kürzlich veröffentlicht. Allein der Titel zeigt bereits deutlich wie es den Menschen im augenscheinlich unerschöpflich starken Deutschland geht, einem Land, in dem es laut Aussage des Bundesarbeitsministeriums nahezu Vollbeschäftigung gibt. Nun, vielleicht sollte Frau Nahles sich einfach mal in die Niederungen des Landes begeben und dort ihre Augen öffnen. Oder alternativ selbst mal mit der eigenen Hände Kraft etwas erwirtschaften:

Paritätischer Wohlfahrtsverband – Die zerklüftete Republik

Die Armut in Deutschland hat nicht nur ein neuerliches trauriges Rekordhoch erreicht, auch ist Deutschland dabei, regional regelrecht auseinander zu fallen. Zwischen dem Bodensee und Bremerhaven, zwischen dem Ruhrgebiet und dem Schwarzwald ist Deutschland, was seinen Wohlstand und seine Armut anbelangt, mittlerweile ein tief zerklüftetes Land.

Die wichtigsten Befunde im Überblick:

  1. Die Armut in Deutschland hat mit einer Armutsquote von 15,5 Prozent ein neues Rekordhoch erreicht und umfasst rund 12,5 Millionen Menschen.
  2. Der Anstieg der Armut ist fast flächendeckend. In 13 der 16 Bundesländer hat die Armut zugenommen. Lediglich Sachsen-Anhalt verzeichnet einen ganz leichten und Brandenburg einen deutlicheren Rückgang. In Sachsen ist die Armutsquote gleich geblieben.
  3. Die Länder und Regionen, die bereits in den drei vergangenen Berichten die bedenklichsten Trends zeigten – das Ruhrgebiet, Bremen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern – setzen sich ein weiteres Mal negativ ab, indem sie erneut überproportionale Zuwächse aufweisen.
  4. Die regionale Zerrissenheit in Deutschland hat sich im Vergleich der letzten Jahre verschärft. Betrug der Abstand zwischen der am wenigsten und der am meisten von Armut betroffenen Region 2006 noch 17,8 Prozentpunkte, sind es 2013 bereits 24,8 Prozentpunkte.
  5. Als neue Problemregion könnte sich neben dem Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen auch der Großraum Köln/Düsseldorf entpuppen, in dem mehr als fünf Millionen Menschen leben, und in dem die Armut seit 2006 um 31 Prozent auf mittlerweile deutlich überdurchschnittliche 16,8 Prozent zugenommen hat.
  6. Erwerbslose und Alleinerziehende sind die hervorstechenden Risikogruppen, wenn es um Armut geht. Über 40 Prozent der Alleinerziehenden und fast 60 Prozent der Erwerbslosen in Deutschland sind arm. Und zwar mit einer seit 2006 ansteigenden Tendenz.
  7. Die Kinderarmut bleibt in Deutschland weiterhin auf sehr hohem Niveau. Die Armutsquote der Minderjährigen ist von 2012 auf 2013 gleich um 0,7 Prozentpunkte auf 19,2 Prozent gestiegen und bekleidet damit den höchsten Wert seit 2006. Die Hartz-IV-Quote der bis 15-Jährigen ist nach einem stetigem Rückgang seit 2007 in 2014 ebenfalls erstmalig wieder angestiegen und liegt mit 15,5 Prozent nun nach wie vor über dem Wert von 2005, dem Jahr, in dem Hartz IV eingeführt wurde.
  8. Bedrohlich zugenommen hat in den letzten Jahren die Altersarmut, insbesondere unter Rentnerinnen und Rentnern. Deren Armutsquote ist mit 15,2 Prozent zwar noch unter dem Durchschnitt, ist jedoch seit 2006 überproportional und zwar viermal so stark gewachsen. Keine andere Bevölkerungsgruppe zeigt eine rasantere Armutsentwicklung.

Was sich hier so trocken liest, sieht an der Basis bitterböse aus.

Die Tafeln in Deutschland, also jene Stellen, die kostenfrei Mahlzeiten an bedürftige Menschen herausgeben, haben bittere Rekordzahlen zu berichten:

Armut in Deutschland

In Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, leben Millionen Menschen in (Einkommens-)Armut oder sind unmittelbar von ihr bedroht. Hier geht es nicht um die existenzielle Armut, unter der die Menschen in Entwicklungsländern leiden: Niemand muss in Deutschland Hunger leiden, der sein Leben bedroht. Dennoch leben die von Armut Betroffenen in Deutschland im Vergleich zum Rest der Bevölkerung mit erheblichen Einschränkungen.

Den Großteil ihres Einkommens dient der Absicherung elementarer Lebensbedürfnisse. Für den Kauf von Lebensmitteln bleiben den Betroffenen nur wenige Euro pro Tag, die für die Zubereitung von Frühstück, Mittag- und Abendessen ausreichen müssen. Frisches Fleisch, Milch, Obst und Gemüse werden zu Luxusgütern, die sich die Betroffenen nur selten leisten können.

Die Einzelschicksale lesen sich entsprechend dramatisch:

Alt, arm und abhängig

Ihre Kinder wollen mit ihrer Armut nichts zu tun haben. Nicht sehen, wie Marie Bauer ihr Leben sorgsam Kästchen für Kästchen in Beträge einsortiert: Miete, Krankenkasse, Versicherung, Arztbesuch – von Zeile zu Zeile werden die Zahlen kleiner. Ganz unten auf das karierte Blockblatt schreibt die 77-Jährige: 47,30 Euro.

Andere zahlen so viel für ein Essen im Restaurant oder einen Einkauf im Supermarkt. Bauer dagegen musste den ganzen Januar damit auskommen. „Dabei habe ich nahezu mein ganzes Leben lang gearbeitet“, sagt die Rentnerin und ihre Stimme klingt dabei fast entschuldigend. Denn ihre Söhne lassen dieses Argument nicht gelten. „Wir schämen uns für dich“, sagte einer der beiden einmal am Telefon.

Immer mehr Beschäftigte brauchen einen Zweitjob

Teilzeit wider Willen: Fast jeder Zehnte Deutsche braucht einen Zweitjob zum Leben neben dem Hauptberuf – weil die Löhne nicht reichen. Mancher arbeitet für weniger als fünf Euro die Stunde. Grund genug für Verdi erneut den Mindestlohn zu fordern.

Anmerkung der Redaktion
Schön, Verdi, und genau aus dem Grund gehen beispielsweise Beerdigungsinstitute dazu über, Rentner oder Selbstständige als Sargträger zu suchen. Die beuten sich nämlich selbst aus und dafür trägt das Unternehmen ja dann keine Verantwortung mehr. Oder lasst es einfach mal sein, euch politisch zu engagieren und durchsucht mal die sogenannten Käseblättchen, die allerorts an Haushalte verteilt werden. Exakt dort werdet ihr Stellenanzeigen wie diese finden!

Bewegte Bilder sagen aber oft mehr als tausende geschriebene Worte und deshalb folgt hier eine „kleine“ Auswahl der realen Situation in der normalen Bevölkerung:

Schuften für drei Euro – undercover im Niedriglohnsektor
Welcher Arbeitgeber zahlt den schlechtesten Lohn? Das wollten die „Panorama“-Reporter herausfinden und schleusten sich als Arbeitnehmer in mehrere Firmen ein. Eine Reportage aus dem Niedriglohnsektor. Der Befund ist ernüchternd: Stundenlöhne von fünf bis sechs Euro gehörten noch zu den höheren Angeboten, viele lagen weit darunter. Ein Chef bot vier Euro an, ein anderer zahlte Akkordlöhne, bei denen der Reporter gerade mal auf zwei bis drei Euro pro Stunde kam. Gleichzeitig zwangen die Arbeitgeber ihre Beschäftigten in mehreren Fällen zu unbezahlten Überstunden, was den Stundenlohn noch weiter drückt. Mehrere Chefs forderten zudem vor Jobbeginn die Offenlegung von Krankheiten, Behinderungen oder einer möglichen Gewerkschaftszugehörigkeit.

Leiharbeit undercover Mein heimliches Leben in deutschen Fabriken

Doku – Arm trotz Arbeit (Dokumentation Deutsch)

Was sagt unsere Bundesarbeitsministerin dazu?

Wow, Frau Nahles, schon mal ihr Wolkenkuckucksheim verlassen?

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