Gladio – Staatlicher Terror

Provokant aber berechtigt ist die „Preisfrage“, die der bekannte Journalist und Buchautor Gerhard Wisnewski in den Raum stellt: „Kann man eine Fernsehsendung, die von Millionen von Zuschauern gesehen wurde, totschweigen?“ Es geht um das prominenteste, weil lebende Opfer einer in Europa installierten Geheimorganisation namens „Stay behind“ oder „Gladio“. Es geht um Giuseppe Gulotta, der fast ein Leben lang eingesperrt worden war für Taten, die laut einer Dokumentation des Spartenkanals Arte von einem Geheimbündnis mit äußerster Brutalität ausgeführt wurden. Und es geht wieder um eine Episode, die kurz nach Ende des II Weltkriegs begann und offenbar nie endete.

Gulotta war in der Sendung von Markus Lanz am 14. Februar 2013 als Gast geladen und er hat seine ziemlich unglaubliche Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die auch durch die von der Sendung unabhängigen Arte Dokumentation genährt wird. Er ist mehr oder minder der einzige Überlebende, der mit Gladio in Verbindung kam. Nur die Leitmedien scheint das nicht zu interessieren. Etwa, weil unter anderem die deutsche Regierung darüber nicht reden möchte?

So schreibt Wisnewski in seinem Bericht:

  • Jüngstes Beispiel: Der Besuch des italienischen Justiz- und < Geheimdienstopfers Giuseppe Gulotta bei Markus Lanz > am 14. Februar 2013. Während die Lanz-Talkshows hinterher normalerweise durch die Gazetten geistern, hieß es diesmal Fehlanzeige. Betrachtete man am nächsten Tag die deutschen Medien, könnte man den Eindruck gewinnen, als hätte einer der größten Staats- und Justizskandale Europas niemals stattgefunden. Erstaunlicherweise (oder auch nicht) ist die Sendung aus den ZDF Archiven verschwunden. Warum wohl?

Hintergrund der Geschichte und was Gulotta bei Lanz zu erzählen hatte:

Es ist eine Szene wie aus einem Politthriller: In einer kalten Januarnacht des Jahres 1976 entdecken zwei Carabinieri bei dem kleinen sizilianischen Dorf Alcamo Marina einen Lastwagen voller Kriegsgerät. Als sie nach Dienstschluss in ihrer kleinen Carabinieri-Station schlafen, schneiden Unbekannte die Tür auf, dringen ein und erschießen die beiden Militärpolizisten. Dabei hinterlassen die Täter weder Fingerabdrücke, Patronenhülsen noch irgendwelche anderen Spuren. Etwa zwei Wochen später hat der damalige Maurerlehrling Giuseppe Gulotta eine Begegnung der Dritten Art. Am 12. Februar 1976 klingelt es abends plötzlich an der Tür. Davor stehen mehrere Carabinieri, die ihn bitten, mit in die Kaserne zu kommen, es gebe da einiges zu klären. Dort angekommen, beginnt für Gulotta ein 36 Jahre langer Albtraum.

Zunächst wird er stundenlang in einen Raum gesperrt und anschließend von einem guten Dutzend Carabinieri geschlagen, getreten und sogar an den Genitalien gefoltert. Auch Scheinhinrichtungen muss der Gefangene ertragen. Schließlich haben die Polizisten Gulotta da, wo sie ihn haben wollten: »Das ging so die ganze Nacht, ich war natürlich morgens völlig fertig und verlor das Bewusstsein. Als ich dann nach fünf oder zehn Minuten, ich weiß es nicht mehr genau, wie lange das gedauert hat… hab ich mir gedacht, na ja, vielleicht ist es besser, das zu sagen, was sie hören wollen.

Gulotta unterschreibt ein Geständnis, an der Ermordung der beiden Carabinieri bei Alcamo Marina beteiligt gewesen zu sein und wird bald darauf dem Haftrichter vorgeführt. Dem liegt inzwischen zwar auch ein ärztliches Attest über die Folterspuren vor, aber dennoch schickt er Gulotta in Untersuchungshaft. 1981 gibt es einen ersten Prozess, der zwar mit einem Freispruch endet. Aber merkwürdigerweise entlässt die italienische Justiz Gulotta und drei angebliche Mittäter, denen es ähnlich erging, damit keineswegs aus ihren Klauen.

Vielmehr folgte nun ein weiterer, etwa zehnjähriger Prozessmarathon, an dessen Ende 1990 Gulottas Verurteilung zu Lebenslang steht. Ein Mitbeschuldigter war zu diesem Zeitpunkt bereits erhängt im Gefängnis aufgefunden worden, obwohl er nur eine Hand besitzt. Die beiden anderen hatten sich nach Brasilien abgesetzt und waren nie wieder nach Italien zurückgekehrt. Ab 1990 verbringt Gulotta weitere 17 Jahre im Gefängnis, bis sich 2007 einer der damaligen Folterknechte zu Wort meldet und zugibt, dass Gulotta misshandelt und zu Unrecht verurteilt worden war. Aber auch das bringt dem Justizopfer noch nicht die Freiheit. Vielmehr dauert es weitere vier Jahre, bis er nach einem neu aufgerollten Prozess Anfang 2012 freigesprochen und entlassen wird – nach 36 Jahren ungerechtfertigter Verfolgung und Inhaftierung durch den Staat.

Das sehenswerte Video, eine ARTE Dokumentation, steht auf dem YouTube Portal (hoffentlich noch lange) zur Verfügung unter:

Das Video wurde selbstverständlich lokal gesichert.

Eine blutige Spur brutaler Attentate zieht sich durch Europa

In der Folge zieht sich eine blutige Spur durch Europa, die immer nach dem gleichen Muster abläuft; äußerste Brutalität und in der Regel militärischer Sprengstoff. 1980 trifft es auch das Münchener Oktoberfest; 13 Todesopfer und über 200 Verletzte. Zuerst werden ultralinke Gruppierungen verdächtigt. Die < Roten Brigaden > in Italien oder die < Rote Armee Fraktion > in Westdeutschland. Dann wird vermutet, Neofaschisten stecken inter den Anschlägen. Die Wahrheit liegt allerdings tiefer und sie hat gewaltigere Ausmaße. Ähnlich wie beim Aufbau des < BND durch Nazis > haben auch hier wieder amerikanische Geheimdienste ihre Finger tief im Geschehen.

Der Fernsehbericht über Gulotta ist als Video verfügbar unter: Giuseppe Gulotta bei Markus Lanz am 14.02.2013

Hier beginnt nun die ziemlich unglaubliche Geschichte der geheimen Organisation „Stay behind“ oder Gladio:

Die Wahrheit ist, es waren rechtsradikale Täter mit besonderen Hintermännern, die Zugriff auf militärisches Equipment hatten und es auch einsetzten. Die Spuren führen immer wieder zu einer paramilitärischen Geheimstruktur in Westeuropa, ursprünglich koordiniert von der < NATO > und den nationalen Geheimdiensten, die ohne parlamentarische Kontrolle agierten. Ihr Name; „Stay behind“ oder < Gladio. > Offiziell heißt es, Gladio sei nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Bekanntwerden der Organisation in den 90er Jahren aufgelöst worden.

Herkunft des Namens Gladio als Zusammenfassung

Als erste der bei der NATO intern stay behind genannten < Geheimarmeen > wurde 1990 der italienische Zweig mit dem Codenamen Gladio aufgedeckt. Der Begriff entwickelte sich in Folge zu einer Bezeichnung für alle europäischen Geheimarmeen, obwohl diese unter unterschiedlichen Decknamen agierten, zum Beispiel SDRA8 in Belgien, BDJ-TD in Deutschland, Red Sheepskin in Griechenland, Absalon in Dänemark, O bzw. I in den Niederlanden und Counter-Guerilla in der Türkei.

Auflösung

Die Einheiten wurden in mehreren Ländern nach Bekanntwerden der Operation und dem Zerfall der Sowjetunion 1990 offiziell aufgelöst, etwa in Italien und Frankreich. Die geheimen Waffendepots der deutschen Geheimarmee waren nach Angaben des deutschen Kanzleramtsministers Lutz Stavenhagen bereits 1972 aufgelöst und die darin befindlichen Pistolen zerstört worden. Ab diesem Zeitpunkt habe sich die deutsche Geheimarmee nur noch mit dem Funkkommunikations- und Evakuierungstraining befasst. Angesichts von Funden großer Mengen an Kriegswaffen in illegalen unterirdischen Verstecken nach diesem Zeitpunkt, unter anderem im Fall Lembke 1981 (siehe unten), wurden diese Angaben jedoch von dem < Schweizer Historiker Daniele Ganser > angezweifelt. Im Dezember 1990 gab die Bundesregierung in einer Pressemitteilung bekannt, dass der deutsche Zweig im April 1991 vollständig aufgelöst werden solle.

Ob das tatsächlich so geschehen ist, bleibt weiterhin und nicht ohne Grund unbeweisbar.

Vergleichbare Strukturen in der DDR

In ihrem Buch Terrorismus-Lügen. Wie die < Stasi im Untergrund > agierte spricht Regine Igel – wie italienische Zeithistoriker – von einer „Gladio-Ost“ in der DDR. Im Kalten Krieg hätten beide Seiten, der Osten wie der Westen, sich über die Benutzung des Terrorismus und paramilitärischer Einheiten bekämpft. Der offizielle Name für diese Einheiten war im Osten Arbeitsgruppe des Ministers Aufgabenbereich „S“ (AGM/S). Ausführlich hat dazu schon Thomas Auerbach geforscht und seine Ergebnisse 1999 in dem Buch < Einsatzkommandos an der unbekannten Front > veröffentlicht.

Wikipedia: In einem Flugblatt des Freundeskreises zur Förderung der Wehrsportgruppe Hoffmann von 1976 firmierte der Rechtsextremist Peter Weinmann als Kontaktadresse einer WSG Informationsstelle Bonn. Weinmann war als V-Mann Werner, laut eigenen Angaben, von 1968 bis 1977 für den Kölner Verfassungsschutz tätig gewesen, laut Angaben seiner Stasi-Akte bis zirka 1986. Dies kam im Zuge seines Gerichtsverfahrens in Koblenz 1994 heraus. Der Dreifach-Agent musste sich dort wegen seiner Tätigkeiten für die Stasi als IM-Römer ab 1980 verantworten und wurde 1995 wegen Landesverrats zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Bereits 1973 hatte Weinmann, in Absprache mit Hoffmann, den ersten Film über die WSG an den WDR, Redaktion Monitor für ein Honorar von 400 DM verkauft.

Geheimarmeen in Europa

Mai 1945. Der II Weltkrieg ist vorbei, die Menschheit jubelt weltweit über den Zerfall des Naziregimes. Der US amerikanische Präsident < Harry S. Truman > findet bewegende Worte, die er an seine Nation spricht:

„Der zerstörerische Krieg ist vorbei. Wir können uns nun der großen Aufgabe widmen, den Frieden zu sichern. Dabei müssen wir mit unseren Verbündeten und den anderen Nationen der Welt zusammenarbeiten. “

Was Truman damit meinte, zeigte sich schon wenige Monate später. Die braune Gefahr war nun gebannt und es tat sich ein neuer Gegner auf; es ist die Angst vor dem Kommunismus, die die amerikanische Regierung antreibt. Es ist die Angst vor einer kommunistischen Weltrevolution. Im weißen Haus wird deshalb 1947 der so genannte < National Security Council > gegründet. Schon ein Jahr später wird ein millionenschweres Programm initiiert. Im gesamten Europa soll ein Netzwerk paramilitärischer Einheiten entstehen. Unter dem Namen „Stay behind“, später auch Gladio, sollen sie im Untergrund operieren.

Die American University in Washington DC und hier insbesondere < Prof. Christopher Simpson > hat die gesamte Geschichte der Geheimoperationen der USA seit 1945 aufgearbeitet. Er dokumentiert, wie interessant und wichtig die ersten Jahre nach dem großen Krieg waren. Hier wurden die Grundlagen für jegliche Spionagetätigkeiten gelegt. Zuerst wurden geheime paramilitärische Einheiten in den europäischen Nationen installiert; ohne Wissen und Zustimmung der nationalen Regierungen. Deutschland spielte hier eine entscheidende Rolle. Mit amerikanischer Unterstützung sollte in Deutschland eine neue Demokratie als Bollwerk gegen den Kommunismus entstehen. In dieser Zeit arbeiteten die Amerikaner bereits eng mit einem deutschen Offizier zusammen, der sich als Informant angedient hatte.

Reinhard Gehlen mischt wieder mit

Sein Name; < Reinhard Gehlen >, der auch mit amerikanischer Hilfe den BND aufgebaut und dessen erster Präsident war. Der zahlreiche weitere Nazi-Prominenz wie „den Schlächter von Lyon“, Klaus Barbie alias Klaus Altmann mit in die Organisation brachte. Für die Amerikaner ein wichtiger Mann. Er besaß als ehemaliger Leiter der Abteilung < Fremde Heere Ost > Informationen, die die Amerikaner nicht hatten. Der Publizist und Geheimdienstexperte < Erich Schmidt-Eenboom > hat mit seinen Forschungsarbeiten ebenso viel zur Aufklärung der Verwicklung deutscher Geheimdienste und insbesondere auch die enge Einbindung ehemaliger Nazi-Größen in die junge Republik mit beigetragen.

1946 wird Gehlen auf Befehl der Amerikaner zurück nach Deutschland geschickt. Jetzt soll er einen deutschen Nachrichtendienst zur Aufklärung Ost aufbauen. Gehlen machte, was ihm befohlen wurde und er war maßgeblich auch am Aufbau der paralilitärischen Geheimarmeen „Stay behind“ beteiligt.Sein Ziel war, zunächst an 75 wichtigen Knotenpunkten kleine Agentengruppen zu installieren, die mehrere Aufgaben übernehmen sollten. Eineseits sollten sie militärische Verkehre melden, sobald sowjetische Truppen in Marsch gesetzt werden würden. Andererseits das Ausschleusen wichtiger Persönlichkeiten in den Westen. Eine dritte Aufgabe war die Durchführung von Sabotageakten an Eisenbahnlinien und Brücken.

Hauptquartier der CIA – der ehemalige Fabrikkomplex der IG Farben

Im ehemaligen Fabrikkomplex der IG Farben, von den Amerikanern bis in die 80er Jahre als Hauptquartier benutzt, wurden die von den USA geplanten paramilitärischen Geheimstrukturen aufgebaut. Unter enger Einbeziehung der < Organisation Gehlen >. Reinhard Gehlen höchstpersönlich leitete die Rekrutierung der Agenten für die so genannten „Stay behind“ Kommandos. Vor allem in den Internierungslagern wurde nach verlässlichen Deutschen gesucht, die für die US Armee Hilfsdienste leisten sollten. Verlässliche Deutsche waren beispielsweise Veteranen der Wehrmacht und Waffen SS. Für Kriegsverbrecher und unverbesserliche Nazis also eine gelungene Möglichkeit, ihrer gerechten Bestrafung zu entgehen. Sie wurden dankbar angenommen und per Verwaltungsakt vom Nazi-Kollaborateur zum Anti-Kommunisten umgestrickt.

In der ehemaligen „Rudolf Hess Reichssiedlung“ wurde ein Hauptquartier eingerichtet. Im Juli 1969 übernahm die CIA dann die Organisation Gehlen, dem Vorläufer des heutigen Nachrichtendienstes BND. Ausgerüstet für ihre Aufgaben wurden die neuen Agenten von den Amerikanern. Jegliche Gladio-Projekte wurden in der Frühphase von den USA finanziert. Das heißt, auch verbotenes Kriegsmaterial ging in die Hände der neuen Spitzel über. Die neuen Agenten wurden an der Grenze zur ehemaligen DDR stationiert und sie hatten die Aufgabe, jegliche kommunistischen Kräfte zu eliminieren.

Die illegalen Geheimarmeen werden in Europa installiert

Die Eingangs dieses Artikels erwähnten Terroranschläge gehen maßgeblich auf die paramilitärischen Einheiten der Gladio-Operation zurück, wie Recherchen ergaben. Selbst offizielle Untersuchungen durch unabhängige Staatsanwälte und Richter wurden von staatlicher Seite torpediert. Es wurden gezielt Falschinformationen gestreut, Tatorte manipuliert und es wurde Einfluss genommen auf die Ermittlungen. Erst im Zuge der Ermittlungen auf die drei italienischen Polizisten 1972 wurde mehr über die Hintergründe bekannt, in die auch Giuseppe Gulotta unschuldig involviert wurde. Gulotta war nichts weiter als ein Bauernopfer, der Öffentlichkeit als Täter präsentiert. Die ehemaligen „Folterknechte“ gaben das lange Jahre später zu. Allerdings rollte der seinerzeit ermittelnde Richter auch eine politische Lawine aus, indem er seine Kenntnisse über die Verwicklung der paramilitärischen Kräfte aus der „Gladio-Operation“ veröffentlichte. Während der Ermittlungen wurden Kenntnisse über eine illegale geheime Struktur bekannt.

Illegal deshalb, weil sie nicht durch die italienische Regierung, Armee oder gar durch das Parlament legitimiert worden war.

Interessant war der weitere Verlauf der Ermittlungen. Der sichergestellte Sprengstoff war militärischer Sprengstoff und er stammte aus NATO Lagern. Es stellte sich zudem heraus, dass die Verantwortung bei italienischen Neofaschisten lag und dass sie von der Polizei, Regierung und vor allem von den Geheimdiensten gedeckt wurden. In der Folge wurden sämtliche Terroranschläge in Italien neu aufgerollt und die zwangsweise Öffnung der Geheimdienstarchive wurde durchgesetzt. Die Ergebnisse waren erschreckend. Es musste offensichtlich eine Verbindung zwischen Gladio, den Geheimdiensten und der Politik geben. Im Herbst 1990 war dann die Existenz von Gladio nicht mehr zu leugnen. Es gab ein Interesse im sozialistischen Flügel der Politik, ein Klima der Spannung zu schaffen, damit die Bevölkerung nach Frieden, Ruhe, Sicherheit und Ordnung ruft. Es war ein Versuch, die sozialen und politischen Entwicklungen im Land zu blockieren. Diejenigen, die an der Regierung beteiligt waren, sollten dort auch bleiben. Diese Strategie wurde auch mit Bomben, Attentaten und Terror verfolgt.

Die Anschläge in Bologna

Auf ähnliche Weise verliefen die Spuren bei den Anschlägen in Bologna. Aber auch hier gelang es der Staatsanwaltschaft nicht, genügend Licht in das Dunkel zu bringen.Es stand seinerzeit die Frage im Raum, ob konservative Regierungen Gladio für ihre Zwecke nutzten. Selbst Untersuchungsausschüsse konnten aber keine klare Antwort darauf finden. Immerhin wurde aber der ehemalige italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti vor einem Untersuchungsausschuss zur Aussage gezwungen, es gäbe das Geheimbündnis Gladio und auch nicht nur in Italien, sondern in allen europäischen Staaten einschließlich der Schweiz.

Die Frage wurde zunehmend interessanter, welche Wirkung Gladio in den anderen Nationen erzielt hat. In Belgien, der Schweiz und den Niederlanden versuchten Untersuchungsausschüsse Klarheit zu bringen – erfolglos. In Frankreich blieben die Archive der Geheimdienste verschlossen. Es wird bis zum heutigen Tag nicht geforscht, es gibt keine journalistische Aufarbeitung.

Kein Aufklärungswunsch der BRD Regierungen

Pikant! Auch in der Bundesrepublik Deutschland verweigert die Regierung die Aufklärung der Bevölkerung, obwohl es deutliche Hinweise auf Verbindungen zwischen Gladio und dem Attentat auf das Münchener Oktoberfest 1980 gibt. < Der Attentäter >, ein 21-jähriger Geologie-Student aus Donaueschingen und früherer Anhänger der dann verbotenen rechtsextremistischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“, hatte den Sprengsatz in einem Mülleimer am Wiesn- Haupteingang deponiert. Er selbst starb bei der Explosion. Die Wucht der Explosion war so stark, dass Menschen im Umkreis von 50 Metern getötet wurden. 13 traf es tödlich, über 200 wurden teils schwerst verletzt. Es handelte sich um den größten Anschlag seit Kriegsende. Ermittler und Historiker gehen davon aus, dass der Attentäter nicht allein gewirkt hat. Anders sieht das die Politik, die nach wie vor und bis zum heutigen Tag die These eines rechtsradikalen Einzeltäters behauptet.

Einem Reporter des Bayrischen Rundfunks ist es zu verdanken, dass das Attentat nicht in den Archiven verschwand. Dank seiner Recherchearbeit stieß er auf Ungereimtheiten bei den Ermittlungen und legte eine umfangreiche Dokumentation an. Er wies nach, das die Hintergründe der Tat nicht ermittelt werden konnten.

Für den damaligen Kanzlerkandidaten Franz-Josef Strauß war dagegen die Sachlage klar; der Anschlag war eine Tat von Linksterroristen. Es ist gerade Wahlkampf und ein wichtiges Thema war die innere Sicherheit. Für ihn, den „Law and Order“ Politiker gab es kein wichtigeres Ziel, als die „linken Strömungen“ im Land zu beseitigen. Das Attentat von München heizte die Stimmung nochmals an. Eine Möglichkeit, daraus politisches Kapital zu schlagen? Konservative Politiker unterstützten die Thesen und verbreiteten die Mär vom linksextremistischen Attentat als Wahlkampfthema. Strauß bevorzugter Gegner war seinerzeit der liberale Innenminister < Gerhard Baum >, dem er eine < Demoralisierung der Geheimdienste > vorwarf.

Das Oktoberfest-Attentat in München 1980

Der damals ermittelnde Staatsanwalt respektive die 40-köpfige Sondereinheit Theresienwiese sowie die Bundesstaatsanwaltschaft erzählt eine andere Geschichte, die er in Interviews drastisch formuliert: Es handelt sich um höchst brisanten Sprengstoff, mindestens im Kilobereich, es bestehe der Anfangsverdacht für die Tat einer terroristischen Vereinigung. Hans-Joachim Langemann, damals Staatsschutzchef im bayrischen Innenministerium, glaubte wohl, für Strauß Schadensbegrenzung betreiben zu müssen und spielte der Boulevardpresse briantes Material zu. Streng geheime Ermittlungsdaten wurden dabei übermittelt.

Das bayrische Ministerium ergriff die Flucht nach vorn und lud ausgesuchte Journalisten ein, um ihnen die Mär vom scharfen Vorgehen gegen Rechtsextremismus in Bayern glaubhaft zu machen. Die Folgen waren katastrophal, denn aus den nun übermittelten Ermittlungsakten ging klar hervor, der Täter habe Kontakte zur rechtsextremistischen Gruppierung < Wehrsportgruppe Hoffmann > gehabt. Was als politische Schadensbegrenzung durch Langemann begann, endete in einer kriminaltechnischen Katastrophe, denn durch die Herausgabe geheimer Ermittlungsdaten waren die Hintermänner des Attentats gewarnt. Die Boulevardpresse tat ihr Übriges dazu. Als der damalige Bundesstaatsanwalt nach Bekanntwerden der Beteiligung einer terroristischen Vereinigung die Ermittlungen nach Karlsruhe holte, war er entsetzt darüber, wie viele streng geheime Details bereits an die Öffentlichkeit geraten waren.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Bereits einen Tag nach Bekanntwerden der Ermittlungsergebnisse begannen die Journalisten der Boulevardmagazine, im Umfeld des Attentäters Köhler zu recherchieren. Die Polizei begann damit erst nach sieben Tagen. Für etwaige Hintermänner genügend Zeit, Spuren zu beseitigen und Aussagen abzusprechen. Entsprechend waren die Abschlussberichte zweier Behörden zu lesen; ein einzelner Täter, eben jener Gundolf Köhler, habe die Tat allein geplant und ausgeführt. Er habe rein persönliche Motive gehabt. Beziehungsprobleme seien es gewesen, ein frustranes Studium und weitere persönliche Gründe. Überraschend war also aus einer Gruppentat eine Einzeltat des Gundolf Köhler geworden.

Die Einzeltäterthese war konstruiert wurden, die sich später auch der Generalbundesanwalt angeschlossen hat.

Jener Journalist, der seinerzeit das politische Erdbeben mit seinen Recherchen verursachte, ist < Ulrich Chaussy >, der sich seit vielen Jahren mit der Tat beschäftigt, zieht in diesem Artikel eine Bilanz. Eines steht für ihn fest: Der Fall ist nicht gelöst. Er hat viele Details gesammelt und ebenso viele Kuriositäten zusammengetragen, die ein einem bemerkenswerten < Zeit-Artikel > zusammengefasst wurden:

Die Kampfsportgruppe Hoffmann und ein gewisser Heinz-Lemke

Bis zu 400 gewaltbereite Rechtsextremisten gehörten in den siebziger Jahren zu dem paramilitärischen Freiwilligenverband, den der schnauzbärtige Werbegrafiker Karl-Heinz Hoffmann bei Übungen in fränkischen Wäldern schulte. Brandete nach den Offensiven der italienischen Roten Brigaden und der deutschen Rote Armee Fraktion (RAF) nun europaweit der Rechtsterrorismus auf? Acht Wochen zuvor war eine Bombe im Bahnhof der italienischen Universitätsstadt Bologna detoniert; 85 Menschen starben. Nun erhielten Münchner Zeitungen Bekenneranrufe: »Wir sind die Rechten von Bologna.

Dennoch wurde die Akte als Tat eines psychiatrisch auffälligen Einzelgängers als gelöst geschlossen.

Ulrich Chaussy ließ der Fall nicht mehr los, er recherchierte selbst im Umfeld des Gundolf Köhler und schon bald ließ sich das Psychogramm eines grenzwertigen Enzeltäters nicht mehr halten. Chaussys Recherchen endeten unter anderem in der zentralen Frage:

Hierzu Chaussy: „1985 habe ich diese und weitere Merkwürdigkeiten – wie den von der Polizei unbemerkt gebliebenen Tod des 38-jährigen Hauptzeugen Frank Lauterjung im August 1982 – in einem Buch ( Oktoberfest. Ein Attentat) zusammengefasst. Vor der Drucklegung gewährte mir Kurt Rebmann in Karlsruhe ein Gespräch, das allerdings völlig erfolglos blieb. All die Widersprüche und nachgereichten Zeugenaussagen zu Mittätern Köhlers böten keine neuen Ermittlungsansätze. Die Akte bleibe geschlossen. Beim Abschied, zwischen Tür und Angel, fragte er noch, wie ich mir den Ablauf des Anschlags denn vorstellte. Ich wisse es nicht, antwortete ich, Köhler allein könne es kaum gewesen sein, gab es doch in seiner Werkstatt keinerlei Spur des hochbrisanten militärischen Sprengstoffes, der in der Bombe war. »Dann bringen Sie mir doch die Täter!«, rief Rebmann.“

Chaussy gab sich allein damit nicht zufrieden und recherchierte weiter, bis er auf einen Opfer-Rechtsanwalt des Attentats in München traf:

Kurz nach Einstellung des Verfahrens, im Januar 1983, protestierte der Münchner Rechtsanwalt Werner Dietrich gegen die Einstellung des Verfahrens und forderte Akteneinsicht.Dietrich und seine Mandanten gingen in die Öffentlichkeit; es gab eine Veranstaltung, über die der Autor dieser Zeilen im Mai 1983 im Bayerischen Rundfunk berichtete. Wenig später wurden mir Auszüge der Ermittlungsakten zugespielt. Darin enthalten: Indizien, die für eine Gruppentat sprechen, Zeugenaussagen, die das Psychogramm Köhlers infrage stellen, Vernehmungen von Hoffmann-Leuten, die sich ein Jahr nach der Tat sehr wohl an Köhlers Auftritte bei Wehrsportübungen erinnern können, und eine Reihe Zeugen, die auf Begleiter des Bombenlegers am 26. September in München hinweisen.

Zahlreiche Journalisten, Politikwissenschaftler und Historiker ist es nicht begreifbar zu machen, warum die Akte trotz deutlicher Hinweise auf eine Gruppentat einfach geschlossen wurde. Schon aus politischer Sicht hätten weitere Ermittlungen gegen die damaligen Mitglieder der Wehrsportgruppe absolut Sinn gemacht. Wenn es denn gewollt gewesen wäre.

Wie straff insbesondere die  Wehrsportgruppe Hoffmann organisiert war und welche Ziele sie verfolgte, zeigt ein anschaulicher Artikel der freien Enzyklopädie Wikipedia, der allerdings relevante Details nicht enthält:

> Wehrsportgruppe Hoffmann

Die Wehrsportgruppe hatte Zugriff auf hochwertiges Kriegsgerät.
Hatte sie auch Zugriff auf Bestände der NATO?
Waren die Wehrsportübungen Teil einer paramilitärischen Ausbildung und als Vorbereitung für Terroranschläge?

Wenige Monate vor dem Münchener Attentat wurde die Wehrsportgruppe Hoffmann vom damaligen Innenminister Gerhard Baum verboten. Während der umfangreichen Ermittlungsmaßnahmen wurde eine Großzahl an Waffen und Munition und weiteres hochwertiges Kriegsgerät sichergestellt. Verboten wurde die Gruppierung gegen den Widerstand des Freistaats Bayern, also gegen den Willen von Franz-Josef Strauß, wie Baum in einem späteren Interview erzählte. Pikant! Auch weitere CDU Innenminister sträubten sich gegen das Verbot. Auch das teilte Baum in einem Interview mit.

Kurz nach dem Verbot erklärte der „Führer der Kampfsportgruppe Hoffmann“, Karl-Heinz Hoffmann, öffentlich, man würde jetzt genau prüfen, was man noch darf und dann würde man gegebenenfalls sehr viel unangenehmer auffallen. Kurz darauf verschwand Hoffmann mit Vertrauten in den Libanon, wo sich die Reste der Gruppe knallhartem Drill unterzogen.

Besonders brisant; die Wehrsportgruppe Hoffmann und „ihr Führer“ hatten enge Kontakte zu Heinz Lemke, einem möglichen Gladio Agenten. Für deren Nachweis waren erneut Ulrich Chaussy’s Recherchen dienlich, der die Kontakte als Teil seiner Recherchen für das Münchener Attentat bestätigte. So wurden bei Karl-Heinz Hoffmann Detailpläne zur Befreiung des Kriegsverbrechers Rudolf Hess gefunden und in diesem Zusammenhang hatte er mit Heinz Lemke zu tun. Zu Heinz Lemke existieren aber wohl keine verwertbaren Daten. Wie so oft bei Gladio Agenten.

Die Suche nach dem für das Münchener Attentat verwendeten Sprengstoff führte in die Lüneburger Heide. Zur Zeit des Kalten Krieges führte die Grenze zur DDR dort als wahrscheinlichste Durchbruchstelle für sowjetische Panzerverbände und somit als Operationsgebiet für Gladio-Truppen.

In der Gemeinde Ebsdorf herrscht der Archivar Fred Schmidt über jegliche historischen Daten. Hier sind Dokumente über den Fund des bis dato größten Arsenals an Kriegsgerät in der Fortwirtschaftssiedlung Öchtringen 1981. Ein Waldarbeiter hatte das illegale Depot zufällig entdeckt. Ein Wohnhaus in der Nähe des Fundortes war bis Ende der 70er Jahre der Wohnort von Heinz Lemke. Jener Lemke hatte sich direkt nach seiner Flucht aus der DDR rechtsextremistischen Gruppierungen angeschlossen. Zwar wurde kurz nach dem Attentat aufgrund anonymer Hinweise Lemkes Wohnung nach Sprengstoff durchsucht. Eine Umfeldsuche nach möglichen Depots erfolgte allerdings erst 2 Jahre später. Ein Fehler, wie der zufällige Fund des Waldarbeiters zeigte. An einer Stelle in einer ehemaligen Kiesgrube, unweit von Lemkes Wohnhaus, wurde eines der Depots entdeckt. Gesamt hatte Lemke im Zeitraum von wenigen Jahren nicht weniger als 33 Waffendepots angelegt.

Handelte es sich hierbei um ein Gladio-Lager?

Lemke, der unverfänglich scheinende Fortfacharbeiter, der 1981 medial wirksam als bekennender Rechtsextremist festgenommen wurde, gab die Verstecke seiner brisanten Waffensammlung preis; gesamt 156 Kilogramm Sprengstoff, 230 Kilogramm Sprengkörper, über 13.000 Schuss Munition, 258 Übungshandgranaten, einige Gewehre, Maschinenpistolen, aber auch hochgiftige Stoffe wie Cyankali und Arsen waren sorgfältig verpackt im Waldboden verborgen. Die Menge zeigte klar, dass Lemke die Waffen nicht allein hätte organisieren können.

Warum starb Lemke?

Heinz Lemke, über den alles aus seiner Vergangenheit bekannt war, lieferte offiziell nichts über seine Hintermänner. Während seiner Haft wurde er dann „rätselhaft“ tot in seiner Zelle aufgefunden. Rätselhaft deshalb, weil er einen Tag zuvor angedeutet hatte, umfangreiche Aussagen zum Hintergrund der Waffendepots zu machen. Die offizielle Selbstmordversion wird von einigen Journalisten bezweifelt.

Warum bringt sich jemand selbst um, der tags zuvor noch ankündigte, belastende Aussagen zu Hintermännern zu machen?

Zwei Tage nach Lemkes Tod zieht die Generalbundesanwaltschaft den Fall überraschend an sich, es wird Nachrichtensperre verhängt. Ende 1982 werden die Ermittlungen endgültig eingestellt. Generalbundesanwalt Rebmann war sich in seinem Abschlussbericht ebenso sicher wie bei Köhler, es habe sich um einen Einzeltäter gehandelt. In einem Punkt machten die Aussagen Rebmanns stutzig; er schließe nicht vollkommen aus, dass Lemke zersetzt war vom Gedanken eines sowjetischen Überfalls und dass er in diesem Fall seine Aufgabe darin gesehen haben könnte, als Einzelkämpfer oder als Führer von Partisanen mit entsprechender Taktik gegen die Angreifer vorzugehen habe.

Genau das war auch das Ziel der Geheimoperation Gladio.

Pikant dabei; ob der für das Münchener Attentat benutzte Sprengstoff möglicherweise aus Lemkes Depots stammte, wurde von der Generalbundesanwaltschaft nicht überprüft. Merkwürdig; beide Verfahren, das Münchener Attentat und Heinz Lemke, wurden von derselben Behörde geführt und beide Verfahren wurden mit wenigen Wochen Unterschied mit zweifelhaftem Ergebnis geschlossen.

Stefan Wagner, Hoffmanns „Unterführer“

Doch nicht nur zu Heinz Lemke blieben viele Fragen zum Münchener Attentat offen. Zeugen, die plötzlich verstarben. Zeugenaussagen, die im Abschlußbericht nicht mehr auftauchten. Und wichtige Zeugen, die von der Polizei erst gar nicht befragt wurden. Darunter auch der Zeuge Stefan Wagner, der sich in einer Plattenbausiedlung später angeblich selbst tötete. Ein aktenkundiger Neonazi immerhin und ein offizieller „Unterführer“ von Karl-Heinz Hoffmann der Wehrsportgruppe Hoffmann. Während eines Amoklaufs mit Geiselnahme und anschließender Selbstötung äußerte er, er sei beim Attentat dabei gewesen, aber lebendig würde ihn niemand bekommen. Wagner hatte intensive Kontakte zur rechtsextremistischen Szene, kannte Köhler und Lemke von Wehrsportübungen. Merkwürdig, im Zuge sofort eingeleiteter Ermittlungen wurden gut 1000 Personen vernommen. 90 davon aus dem direkten Umfeld vom Täter Gundolf Köhler. Über 1500 Beweismittel wurden gesichert, Expertengutachten erstellt. Stefan Wagner sei aber, so hieß es, aus taktischen Gründen nicht befragt worden.

Warum wurde er aus taktischen Gründen nicht befragt, obwohl doch die offizielle Erklärung hieß, Köhler sei ein Einzeltäter gewesen, der das Oktoberfest-Attentat aus persönlichen Gründen ausführte?

Frank Lauterjungs früher Tod

Ein weiterer und wichtiger Zeuge, Frank Lauterjung, hatte Köhler zusammen mit zwei Begleitern kurz vor dem Attentat gesehen. Sechs Wochen später revidierte er während einer weiteren Befragung seine Aussage. Laut Ulrich Chaussy war das Motiv der zweiten Befragung das, Lauterjung mit suggestiven Fragen zu einer Änderung seiner Wahrnehmung zu bewegen. Chaussy muss es wissen, bekam er doch von Rebmann zumindest auszugsweise Einblick in die Ermittlungsunterlagen.

Im Sommer stirbt Frank Lauterjung überraschend mit 36 Jahren. Damit gibt es den wichtigsten Augenzeugen des Attentats nicht mehr.

Ein Zwiegespräch, das niemanden interessierte

Eine weitere wichtige Zeugin wurde sozusagen Mithörerin eines Zwiegesprächs zwischen Köhler und seinen beiden Begleitern, bei dem er sich selbst bezichtigte „helft mir, helft mir, ich kann doch nichts dafür, dass habe ich nicht gewollt“. Die Aussage der Zeugin wurde von der Polizei nicht weiter verfolgt.

Ein Fotograf hätte wichtige Beweisbilder liefern können

Der Fotograf Oswald Baumeister probierte am Tag des Oktoberfest-Attentats gerade seine neue Kamera aus und hätte eigentlich wichtige Bilder für die anschließenden Ermittlungen liefern können. Die Fotos interessierte die Polizei nicht. Wohl bemerkt, Baumeister schoss praktisch die ersten Fotos direkt nach dem Attentat.

Jerzy Montag und seine Fraktion der Grünen haben im Herbst 2009 in einer kleinen Anfrage im Bundestag einen < umfangreichen Fragekatalog zur Gladio-Affäre > eingebracht.

Ergebnisse: Keine!

Seiner Auffassung nach war die rechtsextremistische Gruppierung rund um die Attentate eng mit Geheimdienstagenten durchsetzt. Ebenso seiner Auffassung nach wäre es für die Politik extrem wichtig zu erfahren, inwieweit V-Leute und Agenten der Geheimdienste möglicherweise ebenso in das Münchener Oktoberfest-Attentat verwickelt waren. Und obwohl bekannt ist, dass Heinz Lemke enge Kontakte zur Wehrsportgruppe Hoffmann hatte, wurden die nicht einmal ansatzweise untersucht.

Warum wurden 1998 alle Beweismittel vernichtet?

Ohnehin ist es heute nicht mehr möglich, das Attentat mit modernen kriminaltechnischen Untersuchungen neu zu beleuchten. Auf Anfrage des Spartenkanals Arte teilte die Generalbundesanwaltschaft lapidar mit, dass im Rahmen von Neustruktuierungen die Asservate vernichtet wurden und nicht mehr zur Verfügung stehen.

Anmerkung der Redaktion

Je tiefer ich mich in die Geschehnisse nach dem II Weltkrieg einarbeite, umso mehr komme ich zu der Überzeugung, das der Nationalsozialismus gewollt von wenigstens amerikanischen Geheimdiensten am Leben gehalten und für eigene Zwecke eingesetzt wurde. Mir ist vollkommen klar, dass diese Worte einigen Portalen, Blogs und Foren nicht gefallen wird, weil sie eine pro-amerikanische Linie vertreten. Allerdings sind auch weitere Abscheulichkeiten nicht so einfach vom Tisch zu wischen:

– > Der BND und die Nazis

Ich kann und will auch nicht diejenigen verstehen, die sich aus einer augenscheinlichen Überzeugung heraus sehr weit über den Verfassungsbogen lehnen und damit zu Erfüllungsgehilfen – zu nützlichen Trotteln – von Organisationen machen, deren Umfang, Macht und Kräfte sie bei weitem nicht einschätzen können.

Weitere Literatur zu Gladio

-> Forschungsprojekt zu Gladio der ETH Zürich
-> Kleine Anfrage der Grünen 2009 zum Gladio-Projekt
-> Die dunkle Seite des Westens
-> Vollständige sechsteilige Interview-Reihe von Marc Burth von 2010
-> 3SAT: Gladio – Geheimarmeen in Europa
-> NATO’s secret network also operated in France
->  Von der perversen Logik des Staatsterrorismus

Schreibe einen Kommentar